Leben ist entscheiden

Über mich

Geboren wurde ich am 12. Oktober 1943 in Zürich. Meine Eltern, Gottfried Honegger und Warja Honegger-Lavater waren damals Grafiker, später Künstler. Ein Jahr nach meiner Geburt wurde meine Schwester Cornelia geboren. In dieser Familie herrschte eine künstlerische Atmosphäre, wir Kinder hatten jederzeit Farben, Papier, Kleber, Scheren und alles zum malen und basteln zur Verfügung. Das war für mich nicht immer einfach, da ich schon als Kind nicht so gerne malte.

Als es um die Berufswahl ging, war ich etwas verloren, da ich nicht Künstlerin werden wollte. So sehr alles Kreative in unserer Familie wichtig war, so wenig wichtig war die Schule. Ich wollte Lehrerin werden, das wurde aber nicht gehört. So teilte mir meine Mutter eines Tages mit, dass sie für mich eine Lehrstelle als Grafikerin organisiert hatte. Ich hatte keine Abneigung gegen diesen Beruf, aber auch nicht ein besonderes Talent.
Meine Eltern lebten damals in Paris. Kurz vor dem Abschluss meiner Lehre rief mir mein Vater an: „Bettina, jetzt habe ich es für dich“. Ich wusste, was immer es war, ich musste es eh machen. Das war mein Glück, denn...

Ich fuhr nach Paris und durfte 11/2 Jahre im Malatelier von Arno Stern lernen, wie man mit Kindern malt. Als ich das erste Mal in diesem „clos lieu“ war wusste ich, das werde ich mein Leben lang machen. Es war eine der wichtigsten Zeiten meines Lebens und die Grundlage meiner Tätigkeit bis heute. Arno Stern hat mir die unverbrüchliche Haltung vermittelt, Bilder nicht zu interpretieren und sich ganz auf die Beobachtung dessen was geschieht zu verlassen. In dieser Zeit durfte ich auch an der Acadédmie des Beaux Arts Lithographie erlernen, eine Technik die mir sehr viel Freude machte.

1965 eröffnete ich mein eigenes Malatelier in Zürich. In den ersten 10 Jahren habe ich ausschliesslich mit Kindern zwischen 31/2 und 14 Jahren gearbeitet. Der Anfang war wie zu erwarten etwas langsam und ich war froh um die Ausbildung als Grafikerin. Dann aber war die Presse an meiner Arbeit interessiert, da es das erste Malatelier dieser Art in der Deutschschweiz war. So arbeitete ich bald mit 80 bis 100 Kindern, die wöchentlich ins Malatelier kamen und oft über viele Jahre hinweg. Schon damals habe ich die Bilder der Kinder fotografiert und legte die Grundlage für mein späteres Interesse am Schreiben und Forschen. Zunehmend wollten Interessierte an diesem Geschehen teilhaben und den Beruf, den es damals noch nicht gab, lernen. Bald war meine Arbeit so bekannt, dass ich auch mit dem Kinderspital Zürich, mit dem Kinderpsychologischen und Kinderpsychiatrischen Dienst zusammenarbeitete.

Ab 1968 nahm ich Praktikantinnen auf, die meine Arbeit beobachteten und auch selber im Atelier, zusammen mit den Kindern malten. In dieser Zeit baute ich die ersten Ausbildungskurse auf.
Es folgte eine intensive Zeit. Ich heiratete Marc Egger, ein Künstler, und wir bekamen unsere wunderbaren Töchter Cora und Alma. In dieser Zeit begann ich die Zusammenarbeit in der Ausbildung mit Esther Hofmann. Dies währte, bis mein Mann unbedingt nach New York auswandern wollte. Kurz vor unserer Abreise traf ich Robert Wirz und gründete mit ihm das Institut für Humanistische Kunsttherapie, IHK. Ich kam im Sommer in die Schweiz und wir bildeten bald sehr viele Maltherapeutinnen und Maltherapeuten in der Methode Begleitetes Malen aus. In dieser Zeit unterrichtete ich auch häufig in Fortbildungskursen für Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen und Lehrer und arbeitete am Heilpädagogischen Seminar in Zürich. Mein Spezialgebiet war Malen mit Kindern mit Einschränkungen. Später habe ich das Institut alleine weitergeführt, bis es über meine Kräfte ging. Ich habe es 2006 an Urs Hartmann, ein Künstler und Absolvent meiner Ausbildung, übergeben und er führt es heute noch erfolgreich weiter, hat Vieles verbessert und Neues aufgebaut. 1916 habe ich zusammen mit Urs Hartmann das Buch „Personenorientierte Maltherapie“ beim Verlag Hogrefe herausgegeben. Zu diesem Anlass wurde der Begriff „Begleitetes Malen“ zu „Personenorientierte Maltherapie“ umbenannt. Heute bestehen beide Begriffe.

Um die vielen Beobachtungen, die ich in meiner Arbeit machte, nicht dauernd im Kopf haben zu müssen, schrieb ich mein erstes Buch. Die Zusammenarbeit mit Hugo Ramseyer war für mich ein weiteres wichtiges Ereignis. Als ich ihm das erste Manuskript schickte, sagte er mir trocken: „Jetzt machen Sie noch ein Buch daraus. Ein Buch machen? Ich wusste nur als Grafikerin, wie ein Buch gemacht wurde. So gestaltete und schrieb ich gleichzeitig mein ersten Buch „Faszination Malen“, das 1980 im Zytglogge Verlag verlegt wurde. Hugo Ramseyer bin ich heute noch dankbar, dass er mir diese Möglichkeit eröffnet hat. Gleichzeitig entdeckte ich mein Vergnügen am Schreiben. Einmal los getreten entstanden weitere Bücher: „Bilder verstehen“ und „Malen als Lernhilfe“, wieder im Zytglogge Verlag. Offenbar hatte mir meine schreibende Grossmutter, Mary Lavater-Sloman, auf diesem Gebiet etwas mitgegeben.

Marc Egger hatte immer einen Drang zum Reisen. So reisten wir 1971, als ich mit unserer ersten Tochter schwanger war, nach Spanien. Dort kauften wir eine kleine Hausruine im Dorf Horta de San Juan und bauten das Haus neu auf. Dies wiederum führte uns mit der Zeit in ein weiteres Dorf, Torre de Compte, wo wir eine unwiderstehlich schöne alte Olivenöl- und Mehlmühle fanden. Dieses Gebäude restaurierten wir ebenfalls und begannen dann Malkurse im Sommer anzubieten. Diese Kurse führten wir ab 1976, auch als wir in New York wohnten. Die Mühle wird heute wieder als Kurszentrum von meiner Tochter Cora Egger und ihrem Mann Sven Jaster betrieben. Cora hatte Töpferin und Maltherapeutin gelernt und gibt ihr Wissen und ihre Begeisterung in der Mühle, „Molinos de las Cuevas“, weiter. (www.molinos-de-las-cuevas.org)

Ebenfalls kurz bevor ich mit meiner Familie nach New York zog, lernte ich Jörg Merz, ein Psychotherapeut in Zürich, kennen. Dies war eine folgenschwere Begegnung, haben wir doch zusammen die maltherapeutische Methode „LOM® Lösungsorientierte Maltherapie“ entwickelt und ein eigenes Institut eröffnet. Es ist die bedeutendste Zusammenarbeit meines Lebens und bestimmend für meine heutigen Ansichten zu Kunsttherapie. Wir haben zusammen eine Ausbildung in dieser Methode entwickelt und von 1988 bis 2016 durchgeführt. Zusammen haben wir auch das Buch „Lösungsorientierte Maltherapie“ geschrieben und im Huber Verlag herausgegeben. Heute bieten Jörg Merz und ich Weiterbildungen an und arbeiten an der Forschung weiter. (www.lom-malen.ch)

New York war eine Zeit, in der ich zum ersten Mal in meinem Leben Zeit hatte. Ich richtete sofort ein Malatelier in unserem Loft ein, und obwohl mit der Zeit auch etliche Malende kamen, wurde dies nie ein grosser Erfolg. Neben der Familie gönnte ich mir eine Ausbildung in Psychotherapie am Gestalt Institute New York. In den fünf Jahren in dieser Schule habe ich unglaublich viel gelernt und eine weitere Basis für meine heutige Tätigkeit geschaffen. Von einer Malenden wurde ich angeregt zu studieren. Ich immatrikulierte an einer Universität, die ihre Vorlesungen an den verschiedensten Orten der USA durchführte. 1988 lieferte ich meine Arbeit ab und erlangte ein PhD. in Psychologie. Im Jahr zuvor hatte unser Aufenthalt in New York ein abruptes bürokratisches Ende gefunden.

Zurück in der Schweiz übersetzte ich meine Dr. Arbeit vom Englischen ins Deutsch, kürzte sie, und schrieb das Buch „Der gemalte Schrei“, das wiederum im Zytglogge Verlag von Hugo Ramseyer verlegt wurde. Ich baute mit der Hilfe von Silva Preiss wieder ein Malatelier auf und nach einigen Jahren zog ich wieder an den ursprünglichen Ort im Zürcher Seefeld zurück. Meine Töchter verliessen die Schweiz, zuerst Cora nach Barcelona, später Alma nach New York. Die Arbeit am Institut IHK und die Zusammenarbeit mit Jörg Merz bestimmten meinen Alltag und ich war nach wie vor glücklich in meiner Arbeit. Ich schrieb ein weiteres Buch „Träume malen und verstehen“, das ebenfalls bei Zytglogge herauskam und war Herausgeberin des Buches „Ereignis Kunsttherapie“, das die verschiedenen Anwendungsweisen der Methode „Begleitetes Malen“ und Beiträge von Absolventinnen und Absolventen des Institutes beinhaltet.

So blicke ich heute in eine reiche Vergangenheit und geniesse den Ausblick in eine spannende Zukunft. Die Schwerpunkte meiner Tätigkeit sind jetzt Weiterbildung, Forschung und schreiben, aber wohl das Wichtigste sind mir meine Töchter, Schwiegersöhne und Enkel. Sie sorgen dafür, dass ich weiterhin viel reise und mein Leben geniesse.

Bettina Egger